Unter welchen Bedingungen können KI-generierte Nachrichten aus einem geschlossenen, persönlichen Archiv als authentisch gelten und wie verändert die algorithmische Fortschreibung Erinnerung sowie die Integrität eines digitalen Nachlasses?
Natalie Wilke, künstlerische Mitarbeiterin im Lehrgebiet Elektronische Medien, untersucht in ihrer Arbeit ein digitales Archiv als Datenset im Spannungsfeld von AI Grief Technologies und Memory Contamination. Ausgangspunkt ist ein geschlossener E-Mail-Nachlass, der als Trainingsgrundlage für ein Sprachmodell dient. Das Projekt will erfahrbar machen, wie sich Authentizität und Integrität eines persönlichen Archivs verändern, wenn das Modell dieses Material weiterführt und neue Nachrichten erzeugt. Im Zentrum stehen hierbei Fragen nach der Unterscheidbarkeit von Original und Modelloutput und nach der Kontrollabgabe, die entsteht, wenn persönliches Material in eine generative Produktionslogik überführt und ausgestellt wird.
Der Vortrag bettet diese Überlegungen auch zu medienhistorischen Praktiken der Repräsentation Verstorbener ein – von der postmortalen Fotografie des 19. Jahrhunderts bis hin zu aktuellen KI-Avataren.